un-sichtbare choreografien in Waldkita & Waldkindergarten

Workshop zur Bodenwelt mit Bordenorganismen

* Waldsofa *

un-sichtbare choreografien in Waldkita & Waldkindergarten

Trixa Menzi, eine Gruppenleiterin in der WAKITA, hat mich eingeladen, den Kindergarten- und Kita-Kindern von den unsichtbaren Bodenorganismen zu erzählen und mit einem Bodenmikrofon in den Waldboden hineinzulauschen.

Wir haben uns in der WAKITA-Basisstation getroffen und sind dann zusammen mit den Gruppen, die Frösche, Spechte, Eichhörndli und Salamander heissen, in den Wald gelaufen. Im Wald hat der Waldkindergarten verschiedene, ausserordentlich eingerichtete Plätze, über die bei Regenwetter – wie heute – eine Blache gespannt werden kann. Ich bin beeindruckt gewesen, wie gut und liebevoll organisiert ihre Wald-Kita-Kindergarten-Welt ist: mit Waldsofa, Feuerstelle, Hacken um die Rucksäcke aufzuhängen, Gestell für etwelche Utensilien, auch ein WC je für Buben und Mädchen, zu denen es Regeln gibt, die sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen befolgen.

Wenn möglich werden Aufgaben auch an die Kinder delegiert, z.B. das Händewaschen: 1 Kind hält die Flasche mit Seifenwasser, das andere steht daneben mit der Flasche mit Wasser, hintereinander aufgereiht halten die Kinder ihre Hände hin, die einmal mit Seife und dann mit Wasser bespritzt werden.

Einführung mit Erzählungen und Bewegen wie ...

In der ersten Runde habe ich den Kindern einige Bilder gezeigt und ihnen von Springschwänzen (Collembola), Milben (Acari), Bärtierchen (Tardigrade), Regenwürmern und anderen Bodenorganismen erzählt. Warm eingepackt in ihre Regenjacken, sind sie um die Bilder herumgestanden, die ich auf einem abgesägten Baumstumpf ausgelegt habe; voller Neugier haben sie aufmerksam zugehört. Außerdem haben sie manchmal aufgeregt  ihre Eindrücke und Reaktionen zu den Bildern kundgetan. Sie sind von den Verteidigungsstrategien dieser winzigen Lebewesen – also davon, wie sie sich verhalten, wenn ihnen Gefahr droht – beeindruckt gewesen:
Genau wie die Springschwänze, die in die Luft springen und Saltos in unvorstellbare Höhen vollführen – etwas, das wir Menschen ohne Hilfsmittel nicht können –, sind wir zu Springschwänzen geworden und in die Luft gesprungen; oder wie die Milbe, die ihre Beine in den Körper hineinzieht und sich zu einem Ball zusammenrollt, sind wir zu Milben geworden und haben uns so rund und kompakt wie möglich auf den Boden gekauert und uns dann über den Boden 'kugeln' lassen; oder wie das Bärtierchen, auch Moosschweinchen genannt, das ein Meister des Überlebens ist, sich schlaff wie ein zusammengesackter Sack machen kann (ein todesähnlicher Zustand, der als Kyptobiose bezeichnet wird) und nach 30 Jahren wieder erwacht, sind wir zu einem Moosschweinchen geworden und haben uns völlig schlaff und mit so wenig Anspannung wie möglich auf den Boden sinken lassen, sind dort eine kurze Weile liegen geblieben und dann wieder erwacht und aufgestanden. Es ist inspirierend und erheiternd gewesen, wie die Kinder mitgemacht und wie sie sich in diese Zustände versetzt haben. Das ist wahrscheinlich eine gute Übung gewesen, um verschiedene Körperspannungen zu erleben.

Mittagessen und Mittagspause

Um die Mittagszeit sind auf dem Feuer, in einer grossen Pfannen ein feines Safran-Risotto und daneben Gemüse mit Tofu sowie ein Gurkensalat mit Rosinen zubereitet worden. 
Nach dem Mittagessen gibt es immer eine Pause, in der die Kinder frei im Wald spielen können. Einige haben mich an die Hand genommen und mir ihre Plätze gezeigt und erzählt, was sie im Wald alles machen, und was sie besonders gerne machen.

Lauschen, wie es tönt im Boden

In einer zweiten Rund habe ich nahe bei einem Bach das Bodenmikrofon eingerichtet. Da es immer wieder getröpfelt hat, habe ich den Regenschirm darüber halten müssen. Die Kinder sind dann in 4er- und 5er Gruppen zu mir geführt worden und haben mit Kopfhörer die Geräusche der Meso- und Makrofauna, also der Springschwänze, der Milben, Ameisen, Regenwürmer und anderer Bodentiere lauschen können. Ganz aufmerksam haben sie gelauscht. Ob sie etwas gehört haben, haben wir an ihren Gesichtern ablesen können: sie haben erstaunt geschaut oder die Geräusche mit ihren Gesichtszügen nachgemacht. Alle haben etwas gehört: sie haben die Geräusche als Knabbern, Schleifen, Rütteln, Quietschen beschrieben ...

Zeichnen und Z'vieri und Schlussrunde

In einer dritten Runde sind die Kinder wieder zu ihrem Waldplatz zurückgekehrt und haben dort, inspiriert von den Bildern, die ich mitgebracht habe, Zeichnungen gemacht. In diese Tätigkeit sind sie ganz vertieft gewesen.

Nach dem Z’Viere sind alle auf die Waldsofa-Baumstämme gesessen. Alsdann haben wir in einer Feedback-Runde jede Zeichnung betrachtet: Die Kinder haben nochmals kurz erzählt, was sie gehört oder gesehen haben. Dann hat's eine herzliche Verabschiedung gegeben: Ich habe eine WAKITA-Tasse und eine Dankeskarte mit Zeichnungen bekommen.

Und schon ist ein ganzer Tag im Waldkindergarten vorbei gewesen: Das Wissen, das ich mir zu Boden und seinen Bodenorganismen inzwischen, immer noch fragmentiert, angeeignet habe, mit den Kindern zu teilen, ihnen diese Welt bildhaft nahezubringen, ihre Reaktionen darauf zu erleben, ist ein wunderbares Ereignis gewesen.

WAKITA

heisst die Waldkita & der Waldkindergarten mit Tagesbetreuung. Hier wird von einem engagierten Team Naturpädagogik pur umgesetzt. Der Wald ist die multi-facettenreiche Welt, die für die Kinder bei jedem Wetter, ob Sonne, Regen oder Schnee, in jeder Jahreszeit als Erlebnis- und Wissens- und Erfahrungsraum vielschichtig erlebt werden kann.