L’animoteur 13 — was bisher geschehen ist
Annäherungsübung an das Esel-Sein, eine Workshop-Lecture-Installation
* Zeichnungen © Nadia Bader *
Nadia Bader hat während allen Inputs, Workshops und Performances gezeichnet. Für sie haben die Zeichnungen metaphorische Züge, sie sind Improvisation und für sie Motor um dran zu bleiben. Es sind innere Bilder und ihre eigene Präsenz während dem was geschieht.
Email-Feedback von Raphael Spillmann
Am 24/10/2023 um 17:24 schrieb Raphael Spielmann <raphmann@yahoo.de>:
Liebe Dorothea,
habe meinen Mail-Entwurf noch gespeichert gehabt und gerade wieder entdeckt. Es war bei mir viel los und ich komme jetzt erst wieder dazu, Dir zu schreiben. Eigentlich wollte ich noch mehr schreiben. Aber jetzt habe ich etwas den Faden verloren nach der langen Zeit und Deiner Perfomance in Dresden.
Deine Erzähl-Performance war für mich überaus beeindruckend. Dass Du uns alle involviert hast und kleine Gruppen hast bilden lassen, fand ich sehr anregend. Dadurch habe ich meinen festen Standpunkt als Zuschauer verlassen und wurde in zweierlei Hinsicht aktiv: Einmal, indem ich physisch zu den ausgelegten Karten gegangen bin und gleichzeitig habe ich auch innerlich meinen Standpunkt verlassen und mich auf Deine Sache gedanklich eingerichtet.
Zunächst konnte ich nicht verstehen, warum der Esel im Fokus der Erzählung steht. Ich fragte mich immer wieder: Beschäftigt sich diese Frau ernsthaft mit Eseln? Und: Warum beschäftigen wir uns überhaupt mit Eseln? Meint sie das ironisch? Ist die Bemalung im Gesicht ein Hinweis darauf, dass alles nicht so ganz ernst gemeint ist? Ein bisschen Theater? Kriegsbemalung?
Gleichzeitig hast Du eine unglaubliche Präsenz im Raum und Dein Schweizerdeutsch finde ich sehr charmant. Alles in allem führt Deine eigene Ernsthaftigkeit dazu, dass ich Dich und Deine Haltung sehr ernst nehme. Auch Deine teilweise grauen Haare haben eine enorme Wirkung - Du strahlst dadurch eine natürliche Autorität aus. Meine anfänglichen Fragen, ob alles ironisch gemeint sein könnte, wich einer großen Bewunderung für das Esel-Thema und für Dich. Ich stellte mir die Frage: Ist das Esel-Thema ein Lebens-Thema von Dir? Oder steht Deine und unsere Beschäftigung mit dem Esel exemplarisch und sinnbildlich für etwas Größeres? Ich musste plötzlich den Esel und das ganze Thema in einem größeren Zusammenhang sehen: Unser menschliches Verhalten und Agieren mit der Umwelt stellte sich mir zur Disposition. Es sind noch nicht einmal zwei Generationen her, als meine Großeltern ein völlig anderes (Konsum-)Leben führten als wir heute. Als Kind war ich noch selbst auf einem Bauernhof im Schwarzwald tätig. Und heute sieht unser Leben ganz anders aus. Wir hinterfragen nicht, woher unsere ganzen Güter und Artikel kommen. Wir wissen nicht, welche Ressourcen dafür benötigt werden. Oder wir wollen es nicht mehr wissen. - Diese Gedanken kamen mir dabei.
Der Begriff Esel wird auch als sanftes Schimpfwort verwendet: Du Esel! Aber in Deiner Erzählung zeigt sich der Esel als ein ganz anderes positives Tier, sodass man sich fragt, mit welcher Berechtigung wir dem Esel überhaupt negative Bedeutungen beimessen. Welche Vorurteile haben wir gegenüber Eseln? Am Ende merke ich, dass wir Menschen die eigentlichen Esel im negativen Sinne sind und die Esel eher positive Erscheinungen.
Nun ist es kein literarischer Text geworden, wie Du es Dir vielleicht erhofft hast... nur eine Mail an Dich :-)
Liebe Grüße, Raphael