L’animoteur 13 — was bisher geschehen ist

Annähe­rungsübung an das Esel-Sein, eine Workshop-Lecture-Instal­lation

* Bilder aus dem Skript *

Hintergrundinformation zur Serie «L'animoteur 1 bis 12»

Die Performance-Serie geht zurück auf eine Bildszene, die ich 2012 in der ATACAMA Wüste, der trockensten Wüste auf der Erde, realisiert habe. Sie zeigt einen toten Tierkörper (Esel) in Seitenlage und einen menschlichen Körper in Bauchlage, den Kopf dem Kopf des Tieres zugewendet. Daraus entstanden die kinetischen Bildobjekte «L’animoteur 1», «L’animoteur 4», «L’animoteur 12»: Das Bild dreht sich um die eigene Mietelachse, entweder von Hand oder mit einem Motor angetrieben, die Konturen verschwimmen zu einem flirrenden Etwas.

2015 in der erste Performance «L’animoteur 2», in einem Ausstellungsraum, erzählte ich vom Esel, von seinen körperlichen Eigenschaften, von seinem kulturellen Status (landläufig gilt er als störrisch), als auch vor allem von seinen verdeckten Qualitäten. Eine anwesende Radio-Journalistin wurde inspiriert, weltweit Geschichten und Beziehungen zum Esel nachzugehen. Daraus entstand die 6-stündige Hörpunkt Sendung «Der älteste Kleintransporter der Welt», für das SFR2 (Schweizer Radio 2), was mich wiederum zu weiteren Recherchen angeregte. Die Performance «L’animoteur 3» entwickelte ich für das ‘Internationale Performance Art Festival KIPAF’ in Indien.

«L’animoteur 5 + 6» fand 2018 an einem Kunstanlass in Plovdiv, Bulgarien als Intervention in einem historischen Ausstellungsraum und in einer Einkaufsstrasse in Plovdiv statt, ihre Weiterentwicklung mit «L’animoteur 8 + 9» 2019 ebenfalls in Plovdiv.
 

Halbwilde, lebenden Esel und Menschen, die mir von ihrer Beziehung zu diesen Eseln erzählten, traf ich 2018 im Norden von Argentinien, in den Anden, zwischen 2'500 und 4'000 m. Daraus entstand die Performance «L’animoteur 7» in Buenos Aires, performt im Garten eines Kunstraumes. 2018 fanden die Performances «L’animoteur 10 + 11» in Bad Dürkheim in einer Einrichtung für Menschen mit Einschränkungen statt und in Heidelberg in der Sammlung Prinzhorn (Klinik für Allgemeine Psychiatrie), im Rahmen eines interdisziplinären Ausstellungsprojekt zu ‘Outsider Art’.

Inzwischen konnte ich erfahren, dass ich ‘mit dem Esel' mit Menschen unterschiedlicher Szenen in Kontakt kommen kann. Sie können Geschichten von Begegnungen mit Eseln erzählen oder von ihren Bewertungen und Vorstellungen zum Esel. Ich wende mich weiterhin dem Esel und seiner Wert-Bedeutung für Gesellschaften in unserer Zeit zu. Ich sehe sie als Kompass für Gesellschaften, denn Esel geraten heute sehr stark unter Druck, z. B. wird Elixir aus ihrer Haut für die Kosmetik- und Medizin-Industrie gewonnen.

Ankündigung der Lecture Performance im Tagungsprogramm von Spot On. Kunstpraxis in der Lehrer:innenbildung - #Performance

«L’animoteur 13 – was bisher geschehen ist»

Zwischen Lecture und Performance, mit Gesten, Bild-Tafeln und mit Annäherungsübungen an das Eselssein, eine Reise durch vergangene künstlerische Umsetzungen in der Performance-Serie «L’animoteur 1 bis 12» (2015—). Performance kann ein Feld des Wissens und der Erfahrung sowohl für die Performer:in als auch für alle Anwesenden in einem Raum sein. Alles hängt von Ort, Situation und der Bereitschaft von Allen ab.
Meine Neugier für Esel liegt in den vielen Schubladen, in die sie gesteckt werden, und ihrer Instrumentalisierung durch Menschen: vom lebensnotwendigen, preisgünstigen und ausgebeuteten Lastentier bis zum Rohstofflieferanten für Fleisch und Elixire in der Kosmetik- und Medizinal-Industrie.
Auslöser für die Performance-Serie war eine Begegnung in der ATACAMA Wüste, der trockensten Wüste auf der Erde, mit einem toten Tierkörper (Esel). Seither untersuche ich in Bildarbeiten und Performances die verschwimmenden Grenzen zwischen Mensch und Tier und anderen Wesen.
Titelgebend für diese Serie ist Jacques Derrida’s 10-stündige Rede über das autobiografische Tier von 1997, die nachträglich transkribiert wurde: «L’animal que donc je suis» oder auf Deutsch «Das Tier, das ich also bin», ein philosophischer Blick auf die Beziehung Mensch-Tier. 'L’âne' ist das französische Wort für Esel und 'l’animateur' das französische Wort für Animator:in, welche die Leute unterhält und anregt. Im Titel «L’animoteur ...» klingt auch das französische Wort ’moteur’ (Deutsch Motor) mit. Der Esel ist Motor und keine Metapher, ist Lachender mit großen Ohren, und steht auch nicht naturalistisch leibhaftig da, sondern ist umlenkende:r Umdenker:in auf unseren Blick auf die Welt und auf unsere Beziehungen zu Dingen, Wesen und Anderen: über gesammelte Fakten zu Eseln bis zu Begegnungen mit gezähmten und halbwilden Eseln, und mit Menschen, die mir von ihren Erfahrungen mit Eseln bis heute erzählt haben …

Skript