Selfie im Bau in Bronze
performative Intervention als Meditation und Video-Arbeit
* 1 Gebäudeplan | 2—6 Vorlage für Körperbeschriftung *
Hintergrund
Diese Intervention ist im engeren und weiteren Sinne ein Klon der Intervention mit Video-Arbeit von «Selfie im Bau II» im Campus Brugg-Windisch 2020. Jedoch: Der Campus Muttenz ist von den pool-Architekten aus Zürich entworfen worden und ein ganz anderer Gebäudekörper, mit einer entschieden anderen Ausstrahlung als der Campus Brugg-Windisch. Konsequenterweise hat das ein anderes Szenario für den Parcours des Bewegungsablaufs und ein anderes Textskript erfordert.
Wirkungsbereich während der Intervention/Meditation
Ich erkunde und untersuche in einem Teil des Campus-Gebäudes in einer Live-Intervention seine offensichtlichen und verborgenen Bewegungen. Der Bau ist ein Würfel, innen ausgehöhlt. Mein Aktionsfeld ist der Eingangsbereich mit den öffentlichen Zonen vom Erdgeschoss bis in das 3. Obergeschoss mit der Beletage und der öffentlichen Campus-Bibliothek. Die unteren drei Etagen sind nicht nur das Filetstück, wie einer der Pool-Architekten meinte, sie gehören auch zum viergeschossige Atrium, über dem ein Mitteltrakt den Innenraum quert und ihn in zwei Hälften teilt. Durchflutet von Licht aus den Dachfenstern ist das Volumen des Atriums sichtbarer Player der 360 000 m3 Luftmenge, die durch die Hochschulräume zirkulieren. Den theatralischen Auftritt im Atrium produzieren die querenden Treppenläufe. Sie führen zu den ersten drei Stockwerken.
Bewegungsmodus während der Intervention/Meditation
Mein Bewegunsmodus wird beeinflusst von den Oberflächen und dem Rhythmus ihrer Rasterungen, wie Unterbrechungen an Beton-Wänden und Holzverkleidungen, Mobiliar, Raumunterteiler und Wellen in den Vorhängen. Auch ein Subtext-Monolog, der unterschiedlich moduliert gesprochen wird, wirkt mit. Er spricht über die Körperlichkeit des Gebäudes und stellt Fragen an die Menschen, die an diesem Ort arbeiten und studieren: wie sie das Treppenhaus nutzen, die Luft atmen, wie sie sich das Gebäude physisch aneignen. Er handelt vom Ort, wo der Campus steht, und seiner Entwicklung durch verschiedene Zeiten. Er spricht über die Materialität des Gebäudes (Holz, Stein, Farben etc.) und ihre kulturelle Bedeutung. Der Text erzählt, vergleicht und ist auch Information. Der Klang der Wörter und Sätze richtet sich an die physische Struktur des Gebäudes. Er ruft an, was da drinnen vergangen und verborgen ist. Mit diesem Text taste ich mich an das Gebäude, seine Materialität und 'inneren' Bewegungen heran, die nicht sichtbar sind, die über die Jetztzeit des Gebäudes hinaus sowohl in 'aerchologische Vergangenheiten', in die Zeit-Zonen der Bauzeit und in die Zukunft reichen: die Bewegungen von Material und Arbeitern während der Bauphase, von Leitungen, Stromkabeln, die die Kommunikationsinfrastruktur im Haus sicherstellen. Dieser Text will das sich über seine Jetztzeit ausdehnende und verdeckte Innenleben des Campus-Gebäudes mit den momentanen Bewegungen und Interaktionen, die in diesen öffentlichen Zonen geschehen und möglich sind, verknüpfen.
Störfaktor
Als fiktive Gestalt bin ich auffällig bekleidet und mit Zeichen versehen unterwegs. Die Zeichen verweisen auf die Himmelsrichtungen 'Nord', 'Ost', 'West' und 'Süd', auf das Zeichensystem des Gebäudes. Ich bewege mich an den Rändern, unauffällig in tänzerischem Modus, wodurch die 'gewöhnlichen' Bewegungsflüsse in dieser Campus-Zone gestört werden könnten, wenn denn das Gebäude wegen der Corona-Pandemie nicht verwaist wäre und Performerin und filmende Mitläufer:innen deshalb fast ganz alleine unterwegs sind.
iPhones sind überall omnipräsent und sozusagen Teil unseres Seins geworden, sie werden in dieser Erkundung eingesetzt. So versuche ich im Selfie-Modus, also das iPhone auf einem Kamerastabilisator auf mich gerichtet, Details der Innenräume einzufangen. Dabei filmen drei Mitläufer:innen, ihr iPhone je einmal auf meine Beine, dann auf die Arme und auf den Kopf gerichtet. Wir beeinflussen einander in der Fortbewegung durch die Räume, werden zu einem bewegten Organismus. Nicht nur die Bau-Strukturen und die Lichtstimmungen leiten und beeinflussen unseren Bewegungsmodus, auch der Subtext.
Der Zufall schreibt das Drehbuch dieses Unterwegsseins mit, das auch als Raum- und Medien-Recherche verstanden werden kann.