Beckett Walk III — What does capitalism burn? What burns capitalism?

Installation mit uneigentlichen Verklumpungen

* aus dem 'Skizzen-Buch' *

«Beckett Walk IV» gehört zu einer Serie von Arbeiten mit Perfor­mances, Inter­ven­tionen, Videos und Instal­la­tionen.

Beckett Walk im Titel bezieht sich auf Vieles: auf einen Literaten und seine immer noch aktuellen Texte – Samuel Beckett –, auf eine Arbeit, die zum Kanon der Kunst­ge­schichte gehört – Bruce Nauman's Video­arbeit «Slow Angle Walk (Beckett Walk) 1968» – auf das latente Risiko, das Gleich­gewicht zu verlieren, das Gesicht zu verlieren, auf Landschaft und unsere Beziehung zu Natur und Beziehung als Ganzes zum Leben in all seinen Schich­tungen.

Ausgangslage

Auf Erkundungen in Shetland habe ich an den Ufern Plastiglomerate gefunden und erstmalig erfahren, was es mit diesem ’neuen’ Gestein auf sich hat.
Shetland besteht aus über hundert Inseln und hat viele Küstenkilometer. Wind, Wetter und den Strömungen der Nordsee ausgesetzt, zeigen sich die ökologischen Krise hier radikal und mit aller Deutlichkeit, wenn etwa Plastikteile, die durch die Meeresströmungen in grossen Mengen an die Inseln geschwemmt werden, sich ansammeln.
Durch die Hinterlassenschaften menschlicher Zivilisation in den Meeren hat sich eine neue Gesteinsart gebildet. «Plastiglomerate» nennen Geolog:innen die Gebilde aus Anteilen von geschmolzenem Plastik, Lava, Sand Korallen- und Muschel-Teilen, wobei die Plastik-Komponenten oft noch Spuren des Vorlebens menschlicher Hilfstools wie Zahnbürste, Schnüre etc. erkennen lassen. «Plastiglomerate vereint indexikalisch den Menschen mit den Strömungen des Wassers, mit dem Abbau von Stein und Sand und Fossilien in Öl über Jahrtausende hinweg; mit der schnellen Subtraktion dieses Öls zu Kraftstoff; und mit dem Raffinieren dieses Kraftstoffs zu Polykarbonaten, zu Plastik, zu Müll.»* Welche leibliche Materialität bildet sich im Angesicht dieser uneigentlichen Verklumpungen?
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* Zitat aus e-flux journal #78, december 2016, Kirsty Robertson, Plastiglomerate; heruntergeladen Oktober 2019, übersetzt auf Deutsch

Bild-Skript Plastiglomerates

Übertext für die Arbeiten, gezeigt im Kontext der Ausstellung

Der Über-Text gilt für alle drei Teile, die in der Ausstellung «Selbst­ver­klum­pungen» gezeigt worden sind:

* Performance
«Beckett Walk IV - plastic bender»
Performance auf Spurensuche nach uneigentlichen Verklumpungen. 

Herzlichen Dank an Ingrid Käse für die Unterstützung.


* Auslage-Installation im Gang (mit Plastiglomerate) 

«What does captialism burn? What burns capitalism?»
Auslage mit uneigentlichen Verklumpungen.


* Kinetisches Bild

«L’animoteur 12 - bender»
1 Foto auf Hahnemühle Baryta, aufgezogen auf Stadurplatte, 37 x 50 cm
Aufhängung und Antrieb für die Bildrotation: Getriebemotor mit Reibrad

«In Zeiten nach der Cyborg werden vorherige Kategorien von Organismen durch das erschüttert, was als biolo­gische Art zählt und was nicht. Das Maschinelle und das Textuelle wohnen dem Organischen auf unwider­rufliche Weise inne – und umgekehrt.»*1
«Die permanente Suche nach der Kenntnis des intimen Gegenübers und die unaus­weich­lichen und tragischen Fehler in diesem Unter­fangen, fordern meinen Respekt, egal ob das Andere nun tierisch oder menschlich ist oder gar unbelebt.»*2

*1 Zitat aus Donna Haraway, «Das Manifest für Gefährten», Merve Verlag Berlin, S. 21

*2 ebd., S. 4