Re-enactment — reload repeat refer respond ...
Performance Intervention Aktion
* aus dem Skript *
Hintergrund und Umsetzung
Diese Performance ist ein Re-enactment, also eine Neuinszenierung
meiner Performance «Dance MaEdlEy II», die ich am 5. März 2008 im Rahmen
der Veranstaltung «die//reihe ‹tanzt›» im Kaskadenkondensator in Basel
aufgeführt habe. Dazu wähle ich Textstellen aus dem Abschlussbericht
zur Veranstaltungsreihe von Markus Goessi als Skript aus. Als neue
Anweisungen für «Re-enactment» verleiten sie zu Handlungen, die das
Wechselspiel und die Unterschiede zwischen Sprache und Handlung
aufscheinen lassen.
Hat die Performance im Kaskadenkondensator damals ausschliesslich im Innenraum stattgefunden, so sehe ich mich im Klingental veranlasst, für diese neue Übersetzung das Material im Aussenraum zu suchen. Meine Stimme führt durch die Performance: ich lesen die ausgewählten Textstellen aus dem Abschlussbericht vor bzw. zitiere daraus, wende mich damit direkt ans Publikum, spreche oder singe sie. So wird denn auch am Anfang das Wort «Re-enactment» zum Stolperstein, ich bleibe am «RE RE RE» hängen und forme so neue Wörter, die von «RELOAD, REPEAT, REFER, RESPOND, RESOLVE» über «REMEMBER, REMIND, RELIEVE, REACT» bis «RE-ENACTMENT» reichen.
Als ‹Umsetzung› zu der Originaltextpassage «...zog sich die Protagonistin um ...» ziehe ich hinter einer Trennwand, für die Zuschauer*innen nicht sichtbar, die Kleider aus. Diese werfe ich über die Wand nach vorne in den Zuschauerraum, trete dann in Unterwäsche wieder sichtbar vor das Publikum und ziehe die Kleider wieder an. Auf allen Vieren, die Hände in die übergrossen, grünen Gummistiefeln gesteckt, krieche ich in den Hintergarten und klettere dann – die Textblätter immer vor Augen – auf die Mauerumfriedung. Deutlich zitiere ich die Textstelle «... befanden sich fünf an Schnüren befestigte grosse Steine ...» und deute gleichzeitig auf mehrere, sehr grosse Steinblöcke ausserhalb der Mauer auf einem Platz. Zur Formulierung «... Danach nahm die Künstlerin alle Schnüre in eine Hand und schleifte die Steine auf dem Boden ...» bewege ich mich auf allen Vieren, die Hände in den Stiefeln, durch den Kies, den ich geräuschvoll vor mir hin- und herschiebe. Später schleife und stosse ich eine Gartenstechgabel, die damals im Kasko über die Wände des Kasko gezogen und gemäss Text «...im weiteren Verlauf als Ton- und Bild machendes Objekt eingesetzt ...» wurde, scheppernd über den Boden auf das Basketballfeld vor dem Haus. Ein grosser Baum am Rand des Platzes wird zur «Pflanze im Topf», die gemäss Originaltext auf einem Rollwagen in den Raum gerollt und dann «... zwischen dem Körper der Künstlerin und dem Körper eines beliebigen Gastes schwerfällig bis graziös durch den Raum balanciert ...» wurde. Ein Zuschauer und ich nehmen die entsprechende Position ein, sodass sich der Baumstamm zwischen uns befindet, wir also die Vorderseite unserer Körper an den Baumstamm lehnen. Alle Anwesenden sind nun aufgefordert, sich vorzustellen, wie der Baum sich bewegt, während ‹mein Partner› und ich mit Körperkontakt mit dem Baum zusammen tanzen. Wieder in den Hintergarten zurückgekehrt, lese ich die Textpassage vor, in der von meinem ‹Walzer›, den ich bäuchlings auf dem Rollwägelchen liegenden getanzt habe, die Rede ist. Jetzt übernimmt ein Tisch die Rolle des besagten Rollwägelchens. Die Hände in die Hüfte gestützt, stehe ich vor dem Tisch und singe den Song «Sunday Morning» der Kultband Velvet Underground, die gleichzeitig ab Computer mitläuft. Zum Schluss verteile ich auf dem Tisch rote Äpfel und folge zum Song «I am a man» von Velvet Underground getreu dem Originaltext: «.. .liess die Künstlerin ein Lied aus den 60ern spielen, stellte sich mit je einem Apfel in den Händen mitten in den Raum und begann eine Art Zitterapfeltanz ...». ...
Original-Vorlage für die Performance «Re-enactment» im Abschlussbericht zur Performancereihe von Markus Goessi
«die//reihe 'tanzt'» mit Dorothea Rust, Mittwoch 05. März 2008