Newton's Äpfel III — den Fall des Apfels umkehren
Intervention Performance
* aus dem Skript *
Szenario
Es ist Frühling – ein blühender Apfelbaum ist Endpunkt dieser als Parcours angelegten Performance im Schlosspark des Château Mercier in Sierre. Zusammen mit dem Publikum will ich bei diesem Baum den Fall des Apfels umkehren, der der Legende nach Isaac Newton zum Gravitationsgesetz inspiriert haben soll. Der Weg und die Suche nach dem Apfelbaum ist auch eine Reflexion über die Schwerkraft und den Tanz.
Auf einer vorher festgelegten Route habe ich an ausgesuchten Orten mehrere Äpfel und Gegenstände, die ich in vergangenen Performances eingesetzt habe - ein Paar verzinkte Haltegriffe, Damenschuhe der Marke Bally und einen mit Schnur umwickelten Stein - versteckt. Verborgen sind diese Dinge bei einer bronzenen Hundeplastik, die den Teich 'verziert', dann unter einem grossen Rosmarinbusch, in einem Tulpenbeet, auf einem Fenstersims, in einem leeren Brunnen, im Geäst eines Baumes, neben einer Mauer und in einem Rosenbeet. Ich habe die Augen verbunden und beschreibe den Zuschauer:innen die Verstecke, zu denen sie mich ohne Berührung, nur mit sprachlichen Anweisungen hinführen müssen. Während ich mich mit diesen Richtungsanweisungen im Park auf 'unserem' Weg weiterbewege, erkläre ich mit Textfragmente aus einem verinnerlichten Monolog Newtons Gravitationsgesetz und die etymologische Verwandtschaft von Tanzen und Werfen – das altfrz. «baller» bedeutet Tanzen, das griech. «ballein» bedeutet Werfen oder Schleudern. Frauenschuhe der Marke «Bally» begleiten mich. Den Marken-Begriff «Bally» bringe ich auch in Verbindung mit dem altfranzösischen Wort «baller» etc. Die Bally-Frauenschuhe stülpe ich über meine Hände und bewege sie. Den Stein, den ich mitführe, schwinge und schleudere ich in die Luft und erkläre weiter, was Ballistik, die Bally-Schuhe und Tanzen miteinander zu tun haben.
Die während des Parcours nach und nach gefundenen Äpfel halte ich zuerst alle in meinen Händen, sobald ihre Anzahl jedoch zu gross wird, verstaue ich sie überall, in meinem T-Shirt, in den Hosentaschen und im Hosenbund. Nach ca. 1¼ Stunden des Suchens und Findens gelangen wir zum blühenden Apfelbaum. Ich erkläre diesen Apfelbaum zum Newtonschen Apfelbaum und lade die Zuschauer:innen ein, die gefundenen Äpfel an Bindfäden an den Baum 'zurückzuhängen', und damit das Newton's Gesetz umzukehren. Als alle Äpfel aufgehängt sind, stelle ich mich vor den Baum und lege die Augenbinde ab. Während ich in die Ferne, auf die andere Seite der Rhone, blicke, schüttle ich meinen Körper am Ort, in jeder Hand eine Geissenglocke. Das Schütteln lässt die Glocken hell erklingen, ihr Klang füllt die Umgebung des Apfelbaumes und darüber hinaus.