Anna V — I want to get inside

Performance Aktion

* aus dem Skript | Vorlauf und Umgebung der Performance, alle Fotos © Suresh Kumar *
-> 1 Performance Blume 
-> 2—8 Bangalore Künstler:innen
-> 9 Venkatappa Gartenpflanze
-> 10—13 Dorothea lernt 60 Vornamen von Besucher:innen auswendig
-> 14 Smitha Cariappa und Dorothea

Hintergrund und Ablauf

Diese Performance ist die fünfte in einer Serie, in der ich mich dem Kosmos und dem Charakter meiner Mutter Anna annähere. Es ist auch die Transformation von Vergessenem, das ich in der Jetzt-Zeit hole, und mit dem eine neue, herausfordernde und eventuell auch irritierende Situation entsteht. Mit jeder neuen Version erweitere ich das Material, wobei ein Paar alte lederne Bergschuhe die Verbindung zu meiner Mutter «Anna» und der Drehpunkt dieser Performance sind. Die Performance orientiert sich am Szenario von «Anna IV» und «Anna III» und wird für Bangalore neu erarbeitet. 

Vor der Performance hänge ich mit den Zuschauer:innen im Park der Venkatappa Gallery ab. Ich bitte möglichst viele Zuschauer:innen, ihren Vornamen auf ein weisses Blatt Papier zu schreiben. Die 60 Namen: «TAMAR, MARKUS, CHRISTOPH, MONICA, SUSHIL, RAKSCHIT, PUSHPAMALA, AKSHAYA, MANAS, DEEPAK, ELKE, MANUELA, DIMPEL, MA EI, VISHNU KUMAR, MASU, CHARITHA, SUNITHA, SURESH KUMAR, SAPNA, NAVYA, ASHA,PRAKASH, MANGALA, SAMEER, MOUNA, UMA, AUNG, MARTA, BERNHARD, UMESH, SURESH, JARAYAM, RICARDO, MAMTA, BERNHARD, CHINMEY, VIJAY, SEHETSH, MADE SURYA, COP SHIVA, SMITHA, BHAVANI, RAGU, GURU RAJ, SHIVA RAJ, GOUTHAM, RAGU, SUJOH, RAKESH, JANANI, MAHAMED, CHINGI, PRADEEP, MONICA, BANDU, CHANDRIKALAIA, JOSHUA». Alle Namen memoriere ich und lerne sie vor der Performance auswendig.

Zu Beginn der Performance, nachdem ich mir die Augen verbunden habe, bitte ich die Zuschauer:innen, während der Dauer der Performance meine Augen zu sein und mich beim ‹Durch-den Raum-Lotsen› nicht zu berühren, sondern nur verbale Anweisungen zu geben. In einer Ecke habe ich vorab Material platziert, das ich nun mithilfe der Zuschauer:innen zuerst orte und damit dann den Raum erkunden und ausmessen kann. Ge- und begleitet werden diese Erkundungen von meinen Kommentaren zum aktuellen Geschehen im Raum und zur Performance im Speziellen und meiner Kontaktnahme mit dem Publikum:
Mit grossen Granitsteine, die ich im Garten der Galerie gefunden habe, positioniere ich mich immer wieder neu im Raum. Dazwischen erfolgen verschiedene Handlungen: Bougainville-Blütenzweige, die ich im Park der Galerie gepflückt habe, schwenke ich wie kleine Fahnen und versuche damit die Anwesenden zu berühren. Aus einer dünnen, zerbrechlichen Aquarium-Vase sprenkle ich Wasser in den Raum. Alte, lederne Bergschuhe, aus der Schweiz mitgebracht, ziehe ich hinter mir her und schwinge sie. Mit dem massiven Hammer, den mir ein Künstler von einem Bauplatz in Bangalore besorgt hat, bearbeite ich den nackten Boden, klopfe auf die Blumenblüten und treffe schliesslich einen der Granitsteine. Im Rhythmus hämmere ich auf den Stein und rufe «I want to get inside». Dann verteile ich die mit Vornamen beschrifteten weissen Papierbogen, einen nach dem anderen, und rufe dazu die memorierten Vornamen auf, die meistens nicht mit dem Namen auf dem Papierbogen übereinstimmen. Im Anschluss bitte ich die Anwesenden, die Papierbogen mit Klebeband an mir zu befestigen. Papier behangen begebe ich mich hinaus in den Gang, klettere ein Fenstergitter hoch, gehe hinaus auf die Veranda und kehre wieder in den Galerie-Raum zurück.

Zuletzt lade ich die Zuschauer:innen ein, sich einen (neuen) Vornamen von meinem Körper zu holen, was jedoch für das Publikum gar nicht so einfach ist: Exzessiv bewege ich mich zu «Shake your hips», einem frühen Song der Rolling Stones, lasse mich auf den Boden fallen und springe wieder hoch. Immer noch tanzend ziehe ich die Augenbinde ab und lade die Zuschauer:innen ein mitzutanzen; niemand kann sich dazu entschliessen. Oder sind alle zu scheu?

Skript  ...  Namensblätter