Anna I — Was beschäftigt dich sonst noch?

Performance

Hintergrund der Performance-Serie «Anna ...»

Für die Performance zur Fragestellung «Was beschäftigt dich sonst noch?» habe ich einen Orientteppich und Kletterutensilien mitgebracht. Der ‹häusliche› Teppich, der einen abstrakten Garten darstellt, ist die Verbindung zu meiner Mutter «Anna», es war ihr Teppich, den sie mir übergeben hat. Er ist der Drehpunkt dieser Performance. Diese Performance ist die erste in einer Serie, in der ich mich dem Kosmos und dem Charakter meiner Mutter Anna annähere. Es ist auch die Transformation von Vergessenem, das ich in der Jetzt-Zeit hole, und mit dem eine neue, herausfordernde und eventuell auch irritierende Situation entsteht.

Ablauf der Performance

20 Minuten bevor die Zuschauer:innen kommen, hänge ich den Teppich an einem Ende meines Kletterseils über das Treppengeländer, das zum Kasko führt. Beim Eintreffen sieht das Publikum zuerst den baumelnden Teppich. Wenn sie dem Seil entlang gehen, finden sie mich im Innenraum am anderen Seilende im Klettergurt als Gegengewicht des Teppichs, in Schräglage und mit den Füssen auf dem Boden. Ich verharre so, bis meine Füsse (unter mir) wegrutschen, bleibe dann eine Weile auf dem Boden liegen und halte das Seil, an dem der Teppich hängt, so gespannt wie nur möglich. Später bewege ich mich, dem gespannten Seil entlang, hinaus auf die Treppe zum Teppich. Immer noch bin ich das Gegengewicht des Teppichs, das ihn an Ort und Stelle hält. Ich steige die Treppen hinauf und hinunter, bleibe da und dort stehen und rufe in verschiedene Richtungen ANNA. Nachher ziehe ich den Teppich hoch. Auf dem Rückweg in den Raum schultere ich ihn und lasse ihn schliesslich auf den Boden fallen. Immer wieder rufe ich ANNA. In den Kletterschuhen bewege ich mich wie eine Balletttänzerin, halte Positionen auf den Zehenspitzen, in anderweitig prekärem Gleichgewicht und löse mich wieder daraus, um mich in neue unbekannte Lagen zu begeben. Stets um das Gleichgewicht kämpfend, reize ich meinen Bewegungsradius aus, während ich das Seil weiterhin so gespannt wie möglich zu halten versuche. Schliesslich löse ich den Teppich vom Seil, rolle ihn ganz aus und stehe barfuss darauf. Mit feinen, kehligen Lauten stimme ich das Lied «I am flying» von Rod Stewart an und singe dann lauter, ächzend, stöhnend, jodelnd. Die Arme rudern ‹wehend› aus der Körpermitte. Während auf meinem Laptop eine startenden Cessna von YouTube abgespielt zu sehen ist, krieche ich unter den Teppich und bleibe von ihm ganz bedeckt darunter liegen – bis unterdessen auf dem Bildschirm die Cessna über die Wolken fliegt.

Skript