DIE LÄNGSTE NACHT / THE LONGEST NIGHT 2019

16 Stunden nonstop Performances

Abschlussbericht

Kurzcharakterisierung der Veranstaltung

So zuverlässig wie die Sonne im Sommer auf- und untergeht, ist dies auch im Winter der Fall. 2019 wurde das inzwischen bekannte Format DER LÄNGSTE TAG in den Winter - auf die längste Nacht - verlegt. Der 21. Dezember markiert den astronomischen Winteranfang, die Wintersonnenwende. Es ist der kürzeste Tag und somit die längste Nacht. Bis anhin fand DER LÄNGSTE TAG jeweils am 21. Juni in Zürich im öffentlichen Raum statt. Diesen Anlass in den Winter zu verlagern, bedeutet nicht nur, dass quasi Tag und Nacht vertauscht werden. Der Jahreszeit entsprechend und auch als Konzession an die Uhrzeit findet DIE LÄNGSTE NACHT im Innenraum statt. Sie begann am 21. Dezember 2019 bei Sonnenuntergang um 16.36 Uhr und dauerte bis zum Sonnenaufgang am 22. Dezember 2019 um 8.11 Uhr. Die Performances finden in einem streng getakteten Stundenraster statt, welches zu einem Markenzeichen des Anlasses und seiner Vorformen wurde.

Veranstalter*innen / Kuratorium

Für DIE LÄNGSTE NACHT wurde das Kurator*innen-Team erweitert: Dorothea Rust
(Künstlerin, Tänzerin, Netzwerkerin und Kulturtheoretikerin), die DEN LÄNGSTEN TAG 2004 mit Peter Emch (Künstler, ehem. Professsor ZHdK) ins Leben gerufen hat, und Irene Müller (Kunstwissenschaftlerin, Kuratorin und Autorin) haben bereits 2014 und 2015 DEN LÄNGSTEN TAG in Zürich im Zeughaus-Areal organisiert, gefolgt von einer Station in Bangalore (2017) mit indischen Künstler*innen. Neu hinzugekommen sind jetzt Karen Geyer (Künstlerin / Oral History und Sound Art) und Jörg Köppl (Künstler und Komponist). Durch diesen Zuwachs entstand eine Mehrstimmigkeit im Team und das Know-how über aktuelle Tendenzen des Performativen vervielfachte sich. Zudem wurden auch die Risikofreude und die Bereitschaft zu Experimentieren und zu neuen Kooperationsformen unterstützt.

Organisation und Echo

Ein in der Schweiz einzigartiger Anlass für Besucher*innen mit langem Atem und Freude am
aktuellen Zeitgeschehen des Performativen!
Das Format mit dem 16-Stunden-Raster, wie in der Kurzcharakterisierung beschrieben, wird seit 2004 beibehalten. Seine Anlage als Stafette (die Eingeladenen reichten ihre Einladung an eine/einen Künstler*in weiter) verlangt eine effiziente Organisation und im Vorfeld fortwährende Kommunikation mit den Künstler*innen. So konnten am Prolog-Treffen am 23. Juni 2019 die angereisten Künstler*innen mit dem Team und dem Format auf Tuchfühlung gehen. Die Vorstellungsrunde mit Skizzen zu möglichen Kooperationen und Konzepten entfachte bereits gegenseitig das Feuer für den Anlass im Winter, und wurde weiter durch das Team, das die Künstler*innen ermunterte neue Partnerschaften einzugehen und künstlerisches Neuland zu betreten, am Brennen gehalten. In DER LÄNGSTEN NACHT hat sich wiederum die Stärke des Formats bewiesen: Eine grosse
Bandbreite von Performances, die in allen Schattierungen und Temperierungen leuchteten und Disziplinen übergreifend einen Bogen bildeten, der die sechzehn Stunden als Ganzes
überspannte.

Auch wenn die meisten Performances im grossen Raum im Kunstraum stattfanden, bezogen einige Künstler*innen den Aussenraum mit ein bzw. arbeiteten explizit draussen. Die Gestaltung der Innenräume (neben drei ausgeleuchteten Auftrittsorten im grossen Raum gab es einen Backstage-Bereich und eine Leisure-Area) hat die Ausdauer des Publikums wesentlich befördert. Die unterschiedlichen Sitzgelegenheiten, die auf Podesten oder am Boden mit Matten, Decken und Kissen ausgestattet waren, liessen den sonst eher kahlen Raum wohnlich wirken und boten Rückzugsmöglichkeiten, ohne dass man die Veranstaltung hätte verlassen müssen.
Der Kitt dieser Veranstaltung waren die Menschen! Genauer gesagt die Zusammenarbeit aller Beteiligten: Des Kuratorenteams und der Künstler*innen, den Vermittler*innen, die Interviews führten, Texte schrieben, den Blog live speisten und den Helfer*innen bei Technik, Bar, Catering und Blog, ohne die der Anlass nicht hätte statt finden können, und dem Team des Kunstraum Walcheturms. Und nicht zuletzt das sehr zahlreiche, interessierte und ausdauernde Publikum. Bereits zu Beginn der Veranstaltung waren ca. 40 Personen anwesend, zwischen 22 Uhr und 2 Uhr (am 22. 12.) zählte das Publikum über 200 Personen, gegen halb 5 Uhr früh waren noch immer 30 Personen dabei. Und sogar die letzte Performance des Anlasses konnte 20 Beteiligte motivieren.

Es war eine sehr bewegte und aufregende LÄNGSTE NACHT, die alle unterschiedlich auf Trab gehalten hat. Obwohl der Anlass selber in einer einzigen Nacht statt fand, entsprach der Aufwand für Organisation, Administration, Koordination und Logistik für diesen «16-stündigen Marathon» eigentlich einem mehrtägigen Festival. Dank allseitigem Einsatz, auch dank des grossen Engagements der Künstler*innen und dem Enthusiasmus des Publikums verlief die Veranstaltung äusserst reibungslos. Feedback-Stimmen aus dem Gros der 49 beteiligten Künstler*innen und dem Publikum liessen verlauten, dass der Anlass eine Verbundenheit geschaffen hat, die durch die Ausdauer des Publikums und die gezeigten Performances unterstützt wurde. Das Format DIE LÄNGSTE NACHT hätte die Gelegenheit gegeben für Austausch und Entdeckungen, hätte aber auch ein Zeichen für Solidarität, für ein Miteinander und Respekt vor den gegenseitigen Arbeiten gesetzt. Auch hätte man die Leidenschaft des Teams in der Sache gespürt. Nicht zuletzt wurde die exzellente Organisation und Betreuung erwähnt. Ein Nachklingen und Nachflackern DER LÄNGSTEN NACHT findet auf dem Blog http://laengstenacht.ch statt. Auch hier hat es sich gelohnt, im Feld der Dokumentation Neuland zu betreten. (Siehe Vermittlungskonzept weiter unten).

Vermittlungskonzept

Mit dem Vermittlungskonzept DER LÄNGSTEN NACHT betraten wir Neuland. Es war darauf angelegt der Vielstimmigkeit des Anlasses gerecht zu werden, Reflexionsprozesse anzustossen und gleichzeitig eine Dokumentation zu gewährleisten. Neben dem strengen Stundenraster gibt DIE LÄNGSTE NACHT thematisch oder formal bewusst nichts vor, wodurch auf eine «zentralisierte» oder hierarchisierte Leseart der performativen Beiträge verzichtet wird. In Zusammenarbeit mit Andrea Saemann und anknüpfend an die Erfahrungen von «PANCH Resonanz in Sprache» luden wir in einem Open Call Schreibende aus dem Umfeld der Performance Art zu drei verschiedenen Formaten der Reflexion ein: Interviews , Blog und deskriptiver Text bilden nun auf der Website http://laengstenacht.ch  eine umfassende und polyphone Dokumentation der LÄNGSTEN NACHT. Während der Veranstaltung selbst wurden vom Publikum und einigen Vermittler*innen bereits Blog-Posts veröffentlicht, andere Vermittler*innen haben ihre Beiträge im Nachklang fertig gestellt. Hervorzuheben ist eine sehr spezielle Form der «Überlieferung», nämlich der Audio-Clip DIE LÄNGSTE NACHT in 160 Sekunden von Jeanne Spaeter, in dem 16 Clips von 10 Sekunden pro Performance zu einer Art Soundscape
dieser Veranstaltung montiert sind.

Beteiligte / Helfer*innen

Vermittlungsformat:  Claudia Barth, Lilian Frei, Nina Kurth, Anna Leibbrandt, Marie-Anne Lerjen, Natalie Madani, Irene Müller, Andreas Pfister, Brita Polzer, Andrea Saemann, Olivia Talina Fosca Schneider, Bernadett Settele, Jeanne Spaeter, Benjamin Sunjaro, Kerstin Wittenberg
Technik:  Philipp Tschiemer
Technischer Support:  Markus Bösch
Support Blog und Website:  Beda, Max Frei, Nora Schmidt, Nicole Haenning
Bar und Catering:  Arnold Häni, Thomas Zirlewagen, Max Frei, Maya Bringolf, Marina Klauser, Maja Rimensberger
Fotos:  Lorenzo Pusterla

Website DIE LÄNGSTE NACHT

Fahrplan Prolog, 23. Juni 2019

Zeitfensterfindung für 16-Stunden-Raster DIE LÄNGSTE NACHT am Prolog-Treffen 23. Juni 2019

Vermittlungsblog DIE LÄNGSTE NACHT

Bericht Performances im Überblick siehe ganzer Schlussbericht

Anleitung Vermittlungsblog  Publikum

Anleitung Vermittlungsblog Vermittler*innen