SHEE-DADA

ritual for dislocated forces


Aufbau Performance

Im ersten Teil den Bademantel über den Kopf gezogen, sehe ich den Raum und die Menschen, die anwesend sind, nicht. Ich tappse vorwärts und spreche zu den Versammelten, lasse mich von ihnen nacheinander zu drei Tischen führen. Zuerst zu Tisch 1 mit Plüschbär — ich kann meine Hand in ihn hineinstecken und mit dieser seinen Mund bewegen, während ich spreche. Dann zu Tisch 2 mit einer Beige 'Panels', die ich nach in die Luft halte und Hände suche, die sie übernehmen, oder ich werfe sie in die Luft. Dabei zitiere ich aus meinem Subtext Hinweise zu den Bedingungen, die ein Ritual ausmachen und zu den SHEE-DADAs, die teilweise auf den Panels abgebildet sind oder mit Textfragmenent vertreten sind. Die SHEE-DADAs sind Frauen, die in der DADA-Geschichte vom Kunstkanon marginalisiert wurden und erst in letztes Zeit, im Zug des 100-Jahr-Jubiläums etwas Aufmerksamkeit erhalten haben, aber auch Frauen aus Wissenschaft und zeitgenössischer Kunst, die ich in meine temporäre subjektiven Geschichtsschreibung aufnehme und deren Namen ich hier und jetzt verlauten lasse. Sie stehen für viele Andere, die ebenfalls vergessen wurden. Es besteht kein moralischer Anspruch auf Ergänzung der Kunstgeschichte, eher, die Auslassungen bieten Gelegenheit, sich ihrer anzunehmen und sie neu in unsere Zeit zu verlinken. Alsdann so bei Tisch 3 angekommen, rupfe ich die Blätter von dem einen Salatkopf und übergebe einen zweiten jemanden und bitte diese Person, ebenfalls Blätter abzurupfen und sie an die Anwesenden zu verteilen. So getan, bitte ich alle Beteiligten den Wecker ihres Mobile auf 8 Minuten zu stellen und alsdann ihr Salatblatt auf den Tisch zu legen mit dem Mobiel / i-Phone obendrauf. Jetzt warten ... warten ... warten ... wir zusammen, es wird sehr ruhig im Raum, wo vorher Durcheinander, Gelächter und Unsicherheit überwogen. Dann ertönen in unregelmässigen Abständen die Wecker-Meldodien, was sich zu einem polyphonen Wecker-Medley ausweitet. Das ist das Zeichen für mich, meinen Bademantel auszuziehen. Darunter werden die Körperbeschriftung mit Namen aus meinem subjektiven SHEE-DADA-Geschichtskanon sichtbar. Ich zitiere Bob Dyland's Homesick Blues, bis ich stocke und nicht mehr weiter weiss. Nun müssen alle Tische von uns in den leeren Raum gegenüber getragen werden: von diesem Raum durch die weitgeöffnete Tür und durch den Gang in den anderen Raum. Hier Lady Gaga's Venus vom i-Phone und von mir (aus dem Subtext) mitgesungen.


Mit Tusche direkt auf die Körperhaut geschriebene Namen

GORILLA GIRLS / ANGELA HOERLE, HEIDI BUCHER, ANNA HALPRIN, EMMY HENNINGS, CALAMITY JANE, VICTORIA CLAFLIN WOODHULL, MERET OPPENHEIM, AUGUSTA ADA LOVELACE / ALEXIS HUNTER, ELSA FREITAG VON LORINGHOVEN / CAROLEE SCHNEEMANN / GABRIELLE BUFFET / CÉLINE ARNAULD / TRISHA BROWN / VENUS

SUBTEXT für die Performance, teils gesprochen, teils unterdrück oder weggelassen

Diese Performance ist ein Ritual
Und ihr/sie seid/sind Teil davon, mitgegangen, mitgehangen 
Ihr könnte machen, was ihr wollt, ihr seid Teil davon 
Ob das tatsächlich ein Ritual wird hängt von uns allen ab und bleibt somit offen
Es geht ums Heraufholen und –beschwören, um eine Collage, eine Assemblage, eine Blamage Hervorbringen mit Gage ...
hin und wieder auch in Rage  
Achtung diese Performance ist zusammengenäht wie dieser Bär und beeinflusst
ihr Material entstammt einem Subtext, der inspiriert kombiniert, disloziert ist 

Die Protagonistinnen dieses Rituals sind 

YVONNE und  YVONNE von zwei Generationen, die beide in New York leben, nämlich
YVONNE MEIER Tänzerin, Choreografin, aus der Schweiz, lebt in New York, bekannt für ihre witzigen und mutigen Gruppen- und Solo-Performances mit Tanz und Material, nicht lange her ihre Performance mit ihrem sehr massigen Körper und Pelzmantel und viel mehr, realisiert während dem LÄNGSTEN TAG ZÜRICH 2015
und
YVONNE RAINER, Pionierin des Postmodernen Tanzes in den 60er/70er Jahren in New York mit Trio A, aktives Mitglied im Judson Dance Theater, hat sich später dem experimentellen Film zugewendet
JUDSON (Dance Theatre) steht für Postmoderner Tanz, er ist kein Stil, vielmehr eine Neubefragung des Mediums Tanz seit den frühen 1960er Jahren 

ANNA HALPRIN, Pionierin des Postmodernen Tanzes, die junge Choreographen_innen/Künstler_innen in den 1950er/60er Jahren und darüber hinaus beeinflusste, die später im Judson Dance Theatre aktiv waren, in ihrer Performance «Parade and Changes» 1965, haben die Performer_innen langsam, dabei auf ihren Atem achtend, ihre Kleider aus- und wieder angezogen, was Skandal verursachte damals

CAROLEE SCHNEEMANN, Multimedia-Künstlerin in Amerika, steht in der Landschaft des experimentellen Judson Dance Theatre der 60er/70er Jahre einzigartig da. Mit«Kinetic Theatre» schuf Carolee Schneemann eine eigene Begrifflichkeit für ihre performative Herangehensweise, die sie als eine Erweiterung der Malerei sah und die alle Sinne einbezieht.

ELSA VON FREYTAG-LORINGHOVEN zu ihren Tätigkeiten 1914 steht wo geschrieben: stehe Modell, entwerfe ausgefallene Kostüme, male, schreibe Gedicht und beginne mit Performances und etabliere sich nicht zuletzt durch exaltierte Selbstinszenierungen als Dada-Queen 

MERET OPPENHEIM und der Oppenheimbrunnen in Bern, alle kennen Meret Oppenheim und die Pelz... , nicht wahr?  

EPHRAIM MEISTER, Kunststudent in der Schweiz, mit seiner Performance «First Contact with MxM@», gesehen am ACT Studenten-Performancefestival der Kunsthochschulen in der Schweiz in Basel 2015, er tritt in einen ‚lautlosen’ schriftlichen Live-Dialog mit einer künstlichen Persona, definiert durch Algorithmen, seine luzide Präsenz überrascht immer wieder 

was mich zu AUGUSTA ADA KING, COUNTES OF LOVELACE, bringt, die im 19 Jh. lebte 
von einer feministischen Geschichtsschreibung als Pionierin der Informationstechnologie wiederentdeckt worden  

EMMI HENNINGS Mitbegründerin des Cabaret Voltaire 1916 in Zürich, Nachtklub-Performerin, Schriftstellerin, Künstlerin, mit mehr Talenten und Tätigkeiten und antibürgerlicher Haltung, die historisch signifikant ist, weil sie eine andere andere (schwierigere) Künstlerrealität zeigt, als bei vielen anderen Dada-Protagonisten_innen, auch wegen ihrer Gefängniserfahrung. Emmy Hennings war eine starke Performerin, so soll sie in einer Performance im Cabaret Voltaire mit dem ganzen Körper in einer Rolle Karton gesteckt haben, ihr Gesicht eine geisterhafte Maske, der Mund offen, die Nase auf eine Seite gedreht, die Arme verlängert in dünnen Kartonrollen mit langen stilisierten Fingern. Der einzige sichtbare lebendige Körperteil waren ihre nackten Füsse, ganz alleine unten

GABRIELLE BUFFET Kunstkritikerin, Schriftstellerin mit Musikstudium, verheiratet mit Francis Picabia. Sie beobachtete, nahm teil, analisierte und hielt fest was Dada in Zürich, Paris, New York und Barcelona um-trieb. Ihre Essays bieten eine erfrischende unprätentiöse Analyse der DADA-Perioden, im Gegensatz zu den von Grabenkämpfen gezeichneten Haltungen seiner männlichen Protagonisten. 

CÉLINE ARNAULD, Schriftstellerin. Die Ungenauigkeit der Daten ihres Geburtsjahrs (1885 oder 1895) und ihres Todesjahrs 1952 oder 1953 zeigt die Nachlässigkeit gegenüber den wichtigen und herausragenden weiblichen DADA-Protagonisten_innen und ihre Nichtbeachtung. Antonin Artaud nannte ihre Gedichte ‚eine Explosion von lodernder Heftigkeit. Ihre raffinierten Gedichte haben die Reputation von DADA als extra-angreiferische Anti-Kunst-Rebellion, mehrheitlich von einer männliche dominierten Gruppen von Avantgard-Künstlern repräsentiert, herausgefordert.

ANGELA HOERLE, deutsche avantgardistische Malerin, Mitwirkende im Kölner DADA, eine subtile Zeichnerin. Die persönliche Erfahrung des 1. Weltkriegs und die Begegnung mit Elend und Not politisierte sie in ihrer künstlerisches Engagement.

Meine letzte Performance war eine Begegnung mit der LETTEN VENUS und VENUS ganz allgemein. Was mich überraschte zu erfahren, dass es ‚schamhafte’ und ‚schamlose’ Venus gibt. Die ersteren, eben die schamhaften sind die antiken, die ihr Geschlecht mit einer Hand bedecken, oder Tücher über ihre Hüfte fallen. Die schamlosen sind die prähistorischen, die voluptuösen, Figurinen, die die ganze Fülle des weiblichen Körpers präsentieren, oft ohne Gesicht. Die Bezeichnungen sind christlich konnotiert und natürlich alle erst im Nachhinein von Männern gegeben worden.

Das sind alles SHEE-DADAS über die
meine Eltern, in den 1920er Jahren geboren, nichts zu ihrer Zeit wussten 
und ich 1955 geboren, nicht zu meiner Zeit wusste

Was wir brauchen, machen müssten für das Ritual

Wir brauchen für das Ritual eine verbindliche Haltungen, sonst funktioniert es nicht  
Bitte stellen sie ihren Wecker auf dem i-Phone auf 8 Minuten später 
Und wählen sie hierfür einen Ton aus dem Menü
Jetzt nehmen sie ihr Salatblatt und legen es auf einen dieser Tische und ihr i-Phone/Mobile obendrauf  
Nachfolgend behalten sie ihr i-Phone im Auge, vielleicht flüstert es Ihnen etwas zu 

Was wir auch noch brauchen für das Ritual

1 Mantra: jetzt, hier Bob Dylan's Homesick blues 
1 Song: jetzt, hier Lady Gaga, Venus


Skript-Übersicht SHEE-DADA — Ritual for dislocated forces

Skript-Einzelteile SHEE-DADA - Ritual for dislocated forces

Aktionspanels SHEE-DADA -Ritual for dislocated force