Anna XI

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Kontext

Der Neu-Oerliker-Park ist ein 17'500 Quadratmeter grosses rechteckiges Gelände mit einer Längsachse von Ost nach West.
Die Kunstaktion folgt dem Park von Ost nach West: Sie beginnt an seinem östlichen Ende auf der gepflasterten Strasse bei einer Skulptur von Hans Josephson, führt durch das grüne Grasfeld zur Birchstrasse, einer Strasse, die den Park von Nord nach Süd durchschneidet, weiter auf dem Kiesboden mit einer Kathedrale aus Bäumen zum Brunnen, einem rechteckigen Betonbalken mit Wasserstrahlen, der in die Längsachse des Parks eingebaut ist und die Aktion am Brunnenkopf beendet und auf die Mitte des Parks zeigt.

Archiv PERFORMANCE REIHE NEU-OERLIKON Performance Art Festival Zürich 2014

Ablauf der Performance

Ich winke die Zuschauer zur Asphaltstrasse bei den Skulpturen von Hans Josephson herbei. Als alle eng um mich herum versammelt sind, biete ich dem Publikum, immer einer Person nacheinander folgende Objekte an:
. Panels, 6 an der Zahl
. 1 Sackmesser
. 1 Vogelhaus
. 1 Töpfchen mit blauer  Schmink-Farbe 
. und die grosse Tasche, in der ich die Utensilien verstaut hatte.
Die Performance führe ich rhetorisch mit folgendem wichtigem Hinweis ein: «Dieser Film hier ist nicht für Kinder unter 5 Jahren, Kinder sollten während der ganzen Performance begleitet und überwacht werden.»
Zu jedem Zubehör, das ich verteile, gebe ich auch eine Anweisung:
. die Panels müssen mitgetragen werden,
. mit dem Sackmesser hin und wieder in das Kissen hineingestochen und der Stoff ein wenig aufgerissen werden
. mir auf Gesicht, Hände und Füsse, eben dort, wo Haut zusehen ist, mit der blauen Farbe Zeichen malen,
. und alle müssen immer mitkommen und mich verfolgen.
Als ich mit den Erklärungen fertig bin, werfe ich das Kopf-Kissen aus dem Zuschauer*innen-Kreis hinaus und gehe hinterher, nehme es wieder auf und werfe es weiter weg, so mehrmals bis ich von den Zuschauer*innen weiter entfernt bin. Auf der Wiese angekommen, lege ich mich auf den Boden und drücke den Kopf ins Kissen hinein. Ich benütze es auch als Kopfschutz. Ich nehme es immer mit und halte es wenn möglich über das Gesicht gezogen, auch dann wenn ich flach auf dem Boden rolle und vorwärts robbe oder das Gehen imitiere. Ich schiebe es auf dem Boden liegend unter meinen Kopf und halte es gleichzeitig an mein Gesicht gedrückt. In unterschiedlichen Lautstärken suche ich die Tönhöhe jenes Liedes, das ich später gut vernehmbar singen möchte. Ohne den Mund zu öffnen, produziere ich Stimmlaut: Mit dem ersten Ton des Liedes improvisiere ich die Tonleiter hinauf- und hinunter, die Töne geraten ausser Kontrolle. Auch stehe ich plötzlich unvermittelt auf und renne mit dem Kissen davon; die Zuschauer*innen kommen gemächlich bis zügig nach, einige Jugendliche rennen mir nach, sie folgen mir auf den Fersen und lassen mir keinen Raum mehr. Sie berühren mich, ja versuchen mich zu behindern. Ich empfinde ihre Präsenz als scheu, und neugierig mit einem ungestümen und erregten Unterton, der hin und wieder Überhand bekommt.

In mehreren Etappen habe ich nun den rechteckigen Park in seiner Achse durchquert und erreiche den Brunnen. Er ist als Betonbalken in der Längsachse des Parks angelegt und erfährt eine kontinuierliche Vertiefung zur Park-Mitte hin. Da wo er ganz flach und ebenerdig ist, ziehe ich die Schuhe aus und lege mich quer auf den Brunnenbalken. Langsam rolle ich mit dem Kopf auf dem Kissen über die Brunnenfontänen und 'übers' Wasser. Laut und deutlich singe ich «Penso un sogno cosi non ritorni mai piu .... Volare»; das Kissen verliert im Wasser viele Federn, und ist vom Wasser getränkt, so auch ich. Im Wassertief am anderen Ende des Brunnens, den Kopf immer noch auf dem Kissen singe ich das Lied zu Ende.  

Meine Schlussfolgerungen nach der Performance

Das kultivierte Publikum meiner Performance war viel zu nett und schaut gleichzeitig auch ein wenig auf die ‚verruchten Kids’ herunter, die im Park herumhingen, und sich an meine/unserer Performance hängten. Sie gingen mit, liessen sich nicht abschütteln, sie störten und griffen ein, warfen z.B. Kieselsteine auf das Kissen, das mein Gesicht bedeckte, sie wollte mich in die Irre führen, da ich nichts sah mit dem Kissen auf dem Gesicht, sie berührten mich. Sie zeigten die Störanfälligkeit dieser Performance und legten die Labilität der Situation offen. Das Publikum war sozusagen genötigt, mit den ‚Kids’ in Bezug zu treten, und damit auch Garant, dass die Situation nicht ausser Kontrolle kippte.

Skript